Analytik von Pyrrolizidinalkaloiden in Gewürzen, Kr?utern, Nahrungserg?nzungsmitteln und pflanzlichen Arzneimitteln

1,2-unges?ttigte Pyrrolizidinalkaloide (PA) und ihre N-Oxide sind sekund?re Pflanzeninhaltsstoffe mit hoher Toxizit?t für Mensch und Tier. Für pflanzliche Arzneimittel wurden bereits 2016 Grenzwerte etabliert. Für Lebensmittel legt nun die Verordnung (EU) 2020/2040 Limits fest. Besonders zu beachten ist dabei der erweiterte Prüfumfang.

Kontakt aufnehmen

Vorkommen

Bisher wurden PA in ca. 350 Pflanzenarten beschrieben. Auf Basis chemotaxonomischer überlegungen wird ihr Vorkommen in ca. 6.000 Pflanzenarten vermutet. Besonders verbreitet sind PA in den Familien Boraginaceae, Asteraceae (Triben Senecionae und Eupatoriae) und Fabaceae (Gattung Crotalaria). In einzelnen Pflanzenorganen liegen PA in Konzentrationen im einstelligen Prozentbereich vor.

PA dienen den Pflanzen überwiegend zur Verteidigung gegen Tierfra?. PA-bildende Pflanzen weisen ein charakteristisches PA-Spektrum auf, welches typisch für die Familie, Gattung oder auch einzelne Arten ist. Die in einer Probe als Kontaminanten gefundenen PA lassen daher Rückschlüsse auf die urs?chlichen Beikrautarten zu.

?

Struktur und Klassifizierung

PA sind Mono- oder Diester des 1-hydroxymethyl-pyrrolizidins (Necin-Base) mit aliphytischen mono- oder Dicarbons?uren (Necins?uren) mit einer Kettel?nge von 5-10 C-Atomen. Nach Art und Positionierung der Veresterung(en) unterscheidet man verschiedene Strukturtypen: Monoester, offenkettige Diester und zyklische Diester. Abh?ngig von S?ttigungsgrad und Stereochemie der Necinbase werden vier Grundtypen definiert (Abb.). Bis heute wurden ca. 600 verschiedene PA im Pflanzenreich beschrieben.

Sicherheitsbewertung

1,2-unges?ttigte Pyrrolizidinalkaloide werden als genotoxische Karzinogene eingestuft. Die IARC (International Association for Research on Cancer) bewertet PA als ?possibly carcinogenic to humans (group 2b). Ein TDI (Tolerable Daily Intake) kann daher aufgrund der ma?geblichen toxikologischen Modelle nicht abgeleitet werden. Daher wird auf Basis der BMDL10 ein MoE (Margin of Exposure) von 10.000 oder gr??er als Sicherheitsabstand empfohlen (EFSA 2011, 2017). Dieser gilt für die Langzeitexposition, wie sie bei Lebensmitteln zu Grunde gelegt wird.

Neben der genotoxischen und karzinogenen Langzeitwirkung haben PA in h?heren Dosen potentiell schwerwiegende chronische toxische Effekte (HVOD, Hepatic Venoocclusive Disease). Diese manifestieren sich nach wenigen Wochen bis einigen Monaten. Die Grenzdosis für diese Effekte wird in der Literatur zwischen 0,1 μg/kg KG und 1,0 μg/kg KG angegeben. Das BfR gibt den Health Based Guidance Value (HBGV) mit 0,1 μg/kg KG an (BFR 2013a/b, BFR 2020).

Bei sehr hohen Dosen im mg/kg KG – Bereich k?nnen akute toxische Wirkungen bis zum Leberversagen auftreten. Die Grenze zwischen akuter und chronischer Exposition zieht das BfR bei 14 Tagen (BfR 2013b).

Grenzwerte

PA treten als Kontaminanten gleicherma?en bei Pflanzlichen Arzneimitteln wie bei pflanzlichen Lebens- und Futtermitteln auf. Da eine vollst?ndige Vermeidung nach heutigem Stand der Technik nicht m?glich ist, k?nnen Grenzwerte nicht allein auf toxikologischer Grundlage abgeleitet werden. Für pflanzliche Arzneimittel ist gilt in der EU eine maximale Tagesaufnahmemenge von 1,0μg/Tag (Erwachsene). Geeignete Spezifikationen abh?ngig von der Tagesdosis des Wirkstoffs müssen für jedes Produkt individuell abgeleitet werden.

Grenzwerte und Bewertungskriterien für PA in bestimmten Lebensmitteln legt die Verordnung (EU) 2020/2040 vom 11. Dezember 2020 fest. Diese Grenzwerte gelten für ab dem 1.7.2022 in Verkehr gebrachte Lebensmittel. Vor diesem Zeitpunkt rechtm??ig in Verkehr gebrachte Lebensmittel dürfen bis 31.12.2023 abverkauft werden.

Grenzwerte für Pyrrolizidinalkaloide in Lebensmitteln gem?? Verordnung (EU) 2020/2040

Grenzwerte für Pyrrolizidinalkaloide in Lebensmitteln gem?? Verordnung (EU) 2020/2040
Erzeugnis H?chstgehalt (μg/kg)
8.4 Pyrrolizidinalkaloide 200
8.4.1 Kr?utertees (getrocknetes Erzeugnis), ausgenommen die unter 8.4.2 und 8.4.4 genannten Kr?utertees? 400
8.4.2 Kr?utertees von Rotbusch, Anis (Pimpinella anisum), Zitronenmelisse, Kamille, Thymian, Pfefferminze, Zitronenverbene (getrocknetes Erzeugnis) und Mischungen, die ausschlie?lich aus diesen getrockneten Kr?utern bestehen, ausgenommen die unter 8.4.4 genannten Kr?utertees 75
8.4.3 Tee (Camellia sinensis) und aromatisierter Tee (Camellia sinensis) (getrocknetes Erzeugnis), ausgenommen der unter 8.4.4 genannte Tees und aromatisierte Tees 100
8.4.4 Tee (Camellia sinensis), aromatisierter Tee (Camellia sinensis) und Kr?utertees für S?uglinge und Kleinkinder (getrocknetes Erzeugnis) 75
8.4.5 Tee (Camellia sinensis), aromatisierter Tee (Camellia sinensis) und Kr?utertees für S?uglinge und Kleinkinder (flüssig) 1,0
8.4.6 Nahrungserg?nzungsmittel mit pflanzlichen Inhaltsstoffen einschlie?lich Extrakten, ausgenommen die unter 8.4.7 genannten Nahrungserg?nzungsmittel 400
8.4.7 Nahrungserg?nzungsmittel auf Pollenbasis 500
8.4.8 Borretschbl?tter (frisch, tiefgefroren), die für den Endverbraucher in Verkehr gebracht werden 750
8.4.9 Getrocknete Kr?uter, ausgenommen die unter 8.4.10 genannten getrockneten Kr?uter 400
8.4.10 Borretsch, Liebst?ckel, Majoran und Oregano (getrocknet) und Mischungen, die ausschlie?lich aus diesen getrockneten Kr?utern bestehen 1000
8.4.11 Kreuzkümmel (Gewürzsamen) 400

Für pflanzliche Arzneimittel betr?gt die maximal zul?ssige t?gliche Aufnahmemenge an PA 1,0μg (Erwachsene). Aus dieser maximalen Aufnahmemenge muss für jedes Arzneimittel, respektive seine Wirkstoffe, eine maximale PA-Konzentration errechnet und durch eine validierte Methode gem?? den Anforderungen des Europ?ischen Arzneibuchs kontrolliert werden.

Analytik

Arzneimittel
Die Bestimmung von Pyrrolizidinalkaloiden in pflanzlichen Arzneimitteln führen wir unter GMP-Bedingungen gem?? den Anforderungen des Europ?ischen Arzneibuchs (Ph.Eur. 10.6) durch. Die in unserem Labor entwickelte Methode ist vollumf?nglich validiert. Sie erfasst alle gem?? Ph.Eur. in der Arzneimittelanalytik geforderten 28 Pyrrolizidinalkaloide und ist in zahlreichen Zulassungsverfahren beh?rdlich anerkannt. Matrixspezifische Verfizierungen führen wir für Sie gem?? den beh?rdlichen Anforderungen durch.

Lebensmittel
Für Lebensmittel fordert die Verordnung (EU) 2020/2040 die Erfassung von insgesamt 35 Pyrrolizidinalkaloiden. Da dieser erweiterte Scope im Einzelfall zu h?heren Ergebnissen und damit potentiell zur non-compliance führen kann ist es empfehlenswert, Produkte und Zutaten schon jetzt nach den Vorgaben der Verordnung zu prüfen. So k?nnen Sie rechtzeitig Rezepturen anpassen oder Korrekturma?nahmen in Ihrer Supply Chain ansto?en.

Wir haben die 14 zus?tzlichen Pyrrolizidinalkaloide (z.B. Spartioidin/-NO, Rinderin/-NO oder Usaramin/-NO) daher bereits jetzt in unsere akkreditierte Methode aufgenommen und bieten Ihnen diesen erweiterten Prüfumfang für Lebensmittel ab 1. November 2021 an.

PhytoLab nimmt seit vielen Jahren eine führende Position bei der PA-Analytik getrockneter pflanzlicher Rohwaren und Extrakte und daraus hergestellter Produkte ein. Unsere Experten stehen auch Ihnen gerne zur Verfügung. Sprechen Sie uns an.

Literatur

BfArM 2016: Bekanntmachung zur Prüfung des Gehalts an Pyrrolizidinalkaloiden zur Sicherstellung der Qualit?t und Unbedenklichkeit von Arzneimitteln, die pflanzliche Stoffe bzw. pflanzliche Zubereitungen oder hom?opathische Zubereitungen aus pflanzlichen Ausgangsstoffen als Wirkstoffe enthalten https://www.bfarm.de/SharedDocs/Bekanntmachungen/DE/Arzneimittel/besTherap/bm-besTherap-20160301-pa-pdf.html (Seite besucht am 20.07.2021)

BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) Updated risk assessment on levels of 1,2-unsaturated pyrrolizidine alkaloids (PAs) in foods. BfR Opinion 026/2020 issued 17 June 20201 DOI 10.17590/20200805-100055

Bodi, D; Ronczka, S.; Gottschalk, CH.; Behr, N.; Skibba, A.; Wagner, M.; Lahrssen-Wiederholt, M.; Preiss-Weigert, A.; These, A. (2014): Determination of pyrrolizidine alkaloids in tea, herbal drugs and honey, Food Additives and Contaminants: Part A, DOI: 10.1080/19440049.2014.964337

EFSA CONTAM Panel (EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain), 2011. Scientific Opinion on Pyrrolizidine alkaloids in food and feed. EFSA Journal 2011;9(11):2406, 134 pp. https://doi.org/10.2903/j.efsa.2011.2406

EFSA (European Food Safety Authority), 2016. Dietary exposure assessment to pyrrolizidine alkaloids in the European population. EFSA Journal 2016;14(8):4572, 50 pp. doi:10.2903/j.efsa.2016.4572

EFSA CONTAM Panel (EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain), Knutsen HK, Alexander J, Barreg_ard L, Bignami M, Br€uschweiler B, Ceccatelli S, Cottrill B, Dinovi M, Edler L, Grasl-Kraupp B, Hogstrand C, Hoogenboom LR, Nebbia CS, Oswald IP, Petersen A, Rose M, Roudot A-C, Schwerdtle T, Vleminckx C, Vollmer G, Wallace H, Gomez Ruiz JA and Binaglia M, 2017. Statement on the risks for human health related to the presence of pyrrolizidine alkaloids in honey, tea, herbal infusions and food supplements. EFSA Journal 2017;15(7):4908, 34 pp. https://doi.org/10.2903/j.efsa.2017.4908

EC 2020a: COMMISSION REGULATION (EC) No 1881/2006 of 19 December 2006? setting maximum levels for certain contaminants in foodstuffs, last amended by Commission Regulation (EU) 2020/1322 of 23 September 2020

EC 2020: COMMISSION REGULATION (EU) 2020/2040 of 11 December 2020 amending Regulation (EC) No 1881/2006 as regards maximum levels of pyrrolizidine alkaloids in certain foodstuffs. Official Journal of the European Union, 14.12.2020

EMA Herbal Medicinal Products Committee (HMPC): Public statement on the use of herbal medicinal products containing toxic, unsaturated pyrrolizidine alkaloids (PAs) EMA/HMPC/893108/2011

European Pharmacopeia, 2.8.26 contaminant pyrrolizidine alkaloids

Kaltner F, Rychlik M, Gareis M, Gottschalk CH:? Occurrence and Risk Assessment of Pyrrolizidine Alkaloids in Spices and Culinary Herbs from Various Geographical Origins. Toxins 2020, 12, 155; doi:10.3390/toxins12030155

Mulder, P.P.J.; Lopez, Sanchez P.; Castelari, M.; Bodi, D.; Ronczka, S.; Preiss-Weigert, A.; These, A. Occurrence of pyrrolizidine alkaloids in animal- and plant-derived food: Results of a survey across Europe. Food additives and contaminants - Part A [35 (1), 2018, S. 118-133]

These, A.; Bodi, D.; Ronczka, S.; Lahrssen-Wiederholt, M.; Preiss-Weigert, A.. Structural screening by multiple reaction monitoring as a new approach for tandem mass spectrometry: presented for the determination of pyrrolizidine alkaloids in plants. Analytical and bioanalytical chemistry [405 (29), 2013, S. 9375-9383]

Schrenk, D.; Gao, L.; Lin, G.; Mahony, C.; Mulder, P.P.J.; Peijnenburg, A.; Pfuhler, S.; Rietjens, I.M.C.M.; Rutz, L.; Steinhoff, B.; These, A.. Pyrrolizidine alkaloids in food and phytomedicine: Occurrence, exposure, toxicity, mechanisms, and risk assessment - A review. Food and chemical toxicology [136, 2020, 111107]

欧美Z0Z0人与物物 <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <文本链> <文本链> <文本链> <文本链> <文本链> <文本链>